Gemüse ist mehr als ein Nahrungsmittel
Mit jeder Portion Gemüse pro Tag sinkt das Herz-Kreislauf-Krankheitsrisiko um 12 bis 19%
Beim Verzehr von grünem
Gemüse vermindert sich das Risiko einer akuten Herzerkrankung mit jeder Portion
pro Tag um 12%.Gegenüber der Gruppe, die kein Gemüse verzehrte, hatten
Personen, die mehr als drei mal pro Woche Gemüse assen, ein um 70% reduziertes Krankheitsrisiko.
Gemüse insgesamt
bewirkte mit jeder weiteren Portion pro Tag eine Verminderung des Risikos, ein
Herz-Kreislauf-Syndrom zu bekommen, um 19%. Bei starken Rauchern war die
Wirkung von Gemüse geringer, aber immer noch konnte ein Gemüseverzehr von 2,5
Portionen pro Tag und mehr das Risiko für eine akute Herzerkrankung um 27%
senken gegenüber der Gruppe, die weniger als eine Portion Gemüse pro Tag zu
sich nahm.
Dies sind Ergebnisse und Aussagen einer Studie über den Zusammenhang zwischen
dem Verzehr an Gemüse und Obst und der Gefahr für akute
Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Die Studie wurde vom kardiologischen Institut der medizinischen Fakultät der
Universität von Athen/GR in Zusammenarbeit mit der kardiologischen Abteilung
des Medizinischen Zentrums für Veteranen der Georgetown University, Washington,
DC/USA durchgeführt.
Es handelte sich dabei um eine so genannte Fall-Kontrollstudie, in der 848
Patienten mit akuter Herzerkrankung mit 1.078 gesunden Personen des gleichen
Umfelds nach ihren Verzehrsgewohnheiten, Alkoholkonsum, Rauchen, körperlicher
Aktivität, Cholesteringehalt, Blutdruck, Körpergewicht, Schulbildung und
anderem untersucht oder befragt wurden.
Bei der Auswertung der Ergebnisse wurden die genannten Risikofaktoren
statistisch herausgerechnet, so dass der Einfluss von Obst und Gemüse
unabhängig erfasst werden konnte. Die hier nicht dargestellten Ergebnisse für
einen erhöhten Obstverzehr gehen in die gleiche Richtung.
Den Bericht haben Demosthenes B. Panagiotakos und Kollegen online am 8. Mai 2003 in Nutr.J.;2:2. veröffentlicht.
Prof. Dr. Hans-Christoph Scharpf, Ettlingen
Täglich grün-gelbes Gemüse - geringeres Schlaganfallrisiko
In
einer 18 Jahre dauernden japanischen Studie mit 40'349 Personen wurde unter
anderem der Einfluss von Obst und Gemüse auf das Schlaganfallrisiko geprüft.
Als Ergebnis veröffentlichten C. Sauvaget und Kollegen von der Abteilung
Epidemiologie der Stiftung zur Erforschung von Strahlenwirkungen, Hiroshima,
Japan, dass täglicher Verzehr von grün-gelbem Gemüse das Risiko, an
Schlaganfall zu sterben um 26 % senkt gegenüber der Gruppe, die nur einmal pro
Woche oder seltener Gemüse zu sich nahm.
Wer täglich Obst verzehrte minderte das Risiko um 35 %. Der Schutzeffekt von
Gemüse und Obst war bei Männern und Frauen ungefähr gleich stark ausgeprägt.
(Quelle: Sauvaget, C., Nagano, J., Allen, N. und K.
Kodama: "Vegetable and fruit intake und stroke mortality in the
Hiroshima/Nagasaki Life Span Study." Stroke Oct. 2003)
Prof. Dr. Hans-Christoph Scharpf, Ettlingen
Gemüse 1/2004
Möhren, Tomaten und Salbei - Geringeres Lungenkrebsrisiko
Seit Längerem wird beobachtet, dass die so genannte Mittelmeerdiät (viel Gemüse,
Obst, Olivenöl, wenig Fleisch und anderes) mit einer Verminderung des
Krebsrisikos verbunden ist.
C. Fortes und Kollegen von der Abteilung
Klinische Epidemiologie des Instituto Dermopatico dell'Immacolata in Rom
prüften, welche Einzelkomponenten für die Vorbeugung vor Lungenkrebs bedeutsam
sein können.
Die Forschergruppe fand heraus, dass insbesondere der hohe
Verzehr von Möhren (Risikominderung 41 %) und der regelmässige Konsum von
Salbeiblättern (Risikominderung 58 %) gegen Lungenkrebs wirksam zu sein
scheinen. Auch der Verbrauch an Olivenöl war statistisch mit einem verminderten
Krebsrisiko in Verbindung zu bringen.
In die zwischen 1993 und 1996 als so
genannten Fall-Kontrollstudie angelegte Untersuchung waren 342 Personen mit
Lungenkrebs und 292 gesunde Kontrollpersonen etwa gleichen Alters und Umfelds
einbezogen. Die Wirkung des Rauchens wurde statistisch "herausgerechnet", so
dass der Zusammenhang zwischen Krebsrisiko und der Ernährung unabhängig erfasst
werden konnte.
Die Autoren sind der Ansicht, dass einzelne Komponenten der
Mittelmeerdiät mehr als andere für ein vermindertes Krebsrisiko verantwortlich
sind.
(Quelle: Fortes, C., Forastiere, F., Farchi, S., Mallone, S.,
Trequattrinni, T., Anatra, F., Schmid, G., und C.A. Perucci,: "The protective
effect of the Mediterranean diet on lung cancer". Nutr. Cancer 2003)
Prof. Dr. Hans-Christoph Scharpf, Ettlingen
Gemüse 2/2004
Mehr Lycopin - weniger Herz-Kreislauferkrankungen
Die so genannte Women's Health Studie ist eine gross angelegte Untersuchung
unter anderem über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit bei
Frauen, die von einer Reihe von medizinischen Instituten und Kliniken der USA
durchgeführt wurde. In dieser prospektiven Studie wurden 39'876 Frauen, die zum
Untersuchungsbeginn frei von Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs waren, über
4,8 Jahre lang beobachtet. Innerhalb des Untersuchungszeitraums trat bei 483
Frauen eine Herz-Kreislauferkrankung auf.
Die Forschergruppe um Howard D.
Sesso, Abteilung für Präventive Medizin am Brigham and Womens's Hospital und der
Harvard Medical School in Boston, stellte fest, dass der Lycopingehalt im
Blutplasma einen deutlichen Zusammenhang mit dem Auftreten von
Herz-Kreislauferkrankungen zeigt.
Das Erkrankungsrisiko ging mit steigendem
Lycopingehalt um 38 bis 44 % zurück gegenüber der Gruppe mit niedriger
Konzentration.
Bei der Risikoberechnung wurde der Einfluss der bekannten
belastenden Faktoren wie Alter, Rauchen, Cholesteringehalt statistisch
eliminiert. Der rote Farbstoff Lycopin ist ein sekundärer Pflanzenstoff, der zur
Gruppe der Carotinoide gehört. Lycopin kommt vorrangig in Tomaten und
Tomatenprodukten vor. Auch Hagebutten enthalten Lycopin. In jüngster Zeit wird
versucht, Möhren zu züchten, die ebenfalls Lycopin enthalten.
Die neuen
Ergebnisse bestätigen frühere Studien, die gezeigt haben, dass Carotinoide und
insbesondere das Lycopin vorbeugend gegen Herzinfarkt wirksam sein
können.
(Quelle: Howard D. Sesso, Julie E. Buring, Edward P. Norkus and
J. Michael Gaziano: "Plasma lycopene, other carotenoid, and retinal and the risk
of cardiovascular disease in women." American Journal of Clinical Nutrition,
Jan. 2004)
Prof. Dr. Hans-Christoph Scharpf, Ettlingen
Gemüse 3/2004
Mehr als dreimal Gemüse und Obst pro Tag fördert Knochenbildung bei Mädchen
In einer Studie am Zentrum für Gesundheitswissenschaften der Universität von
Tennessee und dem regionalen Zentrum für Medizin in Memphis, USA, wurde bei
Mädchen im Pubertätsalter der Zusammenhang zwischen Ernährung und Knochenaufbau
untersucht.
Die Forschergruppe um Franees A. Tylavsky teilte die
Teilnehmerinnen nach dem Obst- und Gemüseverzehr in zwei Gruppen, nämlich
"weniger als drei Portionen pro Tag" und "drei oder mehr Portionen pro
Tag".
Die Ergebnisse machten deutlich, dass die Mädchen, die mehr Gemüse und
Obst assen, eine höhere Knochenmasse hatten. Gleichzeitig war die Ausscheidung
des für die Knochenbildung wichtigen Calciums verringert und auch die
Konzentration des Knochen abbauenden Parathormons (Nebenschilddrüsenhormon) lag
niedriger. Die gemessenen Werte wurden um die Einflüsse von Alter, Body Mass
Index (BMI) und sportlichen Aktivität korrigiert, so dass die Ergebnisse
gesichert der Ernährung mit Obst und Gemüse zugeordnet werden konnten.
Die
Autoren kommen zum Schluss, dass sich ein höherer Verzehr von Gemüse und Obst
bei Kindern günstig auf die Knochenentwicklung auswirken kann.
(Quelle:
Franees A. Tylavsky et al.: "Fruit and vegetable inkakes are an independent
predictor of bone size in early pubertal children." American Journal of Clinical
Nutrition, Febr. 2004)
Prof. Dr. Hans-Christoph Scharpf, Ettlingen
Gemüse 4/2004
Hoher Gemüse- und Obstverzehr erhöht Lebenserwartung - eine finnische Studie
In einer so genannten prospektiven Studie wurden 2'641 ursprünglich gesunde
Männer im Alter zwischen 42 und 60 über einen Zeitraum von durchschnittlich 13
Jahren hinsichtlich der Entwicklung von Krankheiten und Todesfällen beobachtet.
Gleichzeitig erfasste man Verhalten und Nahrungsauswahl, um mögliche
Zusammenhänge zum Auftreten von Erkrankungen herauszufinden.
Die
Untersuchungen haben Forscher der Universität Kuopio und des Gesundheitszentrums
Suonenjoki in Finnland durchgeführt.
Als Ergebnis stellten Tiina Rissanen und
Kollegen unter anderem fest, dass ein hoher Verzehr von Gemüse und Obst, im
Vergleich zu einem niedrigen Verzehr, das Todesrisiko insgesamt um 34 % senkt.
Betrachtet man die durch Herzkreislauferkrankungen verursachten Todesfälle, so
betrug die Risikoverminderung der höchsten Aufnahmegruppe sogar 41 %.
Der
Bericht schlisst mit dem Satz: "Die Daten zeigen dass eine hohe Aufnahme an Obst
und Gemüse mit einem verringerten Sterberisiko bei Männern im mittleren Alter
verknüpft ist. Folglich ist aus den Ergebnissen dieser Untersuchung zu
schliessen, dass eine Ernährung, die reich an pflanzlichen Nahrungsmitteln ist,
die Lebenserwartung erhöhen kann."
(Quelle: Ta H. Rissanen et al.: "Low
Intake of Fruits, Berries and Vegetables Is Associated with Excell Mortality in
Men" the Kuiopio Ischaemic Heart Disease Risk Factor (KIHD) Study, Jan.
2003)
Prof. Dr. Hans-Christoph Scharpf, Ettlingen
Gemüse 5/2004
Zwei gewonnene Lebensjahre durch mehr als 60 g Gemüse pro Tag - eine italienische Studie
1'536 Männer im Alter zwischen 45 und 65 aus zwei italienischen Regionen wurden
1965 auf den Gesundheitszustand, die Lebensweise und das Ernährungsverhalten
untersucht. Im Laufe der 30 Jahre dauernden weiteren Beobachtung verstarben
1'096 Männer (308 an Herzerkrankung, 325 an Krebs, 158 an Schlaganfall und 305
and anderen Ursachen).
F. Seccareccia und Kollegen vom Laboratorium für
Epidemiologie und Biostatistik am Gesundheitsinstitut, Rom, errechneten aus den
erfassten Daten, dass Männer, die täglich mehr als 60 g Gemüse assen, im
Durchschnitt (altersbereinigt) zwei Jahre länger lebten als die, die weniger als
20 g Gemüse pro Tag verzehrten.
Der Zusammenhang zwischen Gemüseverzehr und
Lebenserwartung war unabhängig voneinander in beiden Regionen zu finden, obwohl
sich die verzehrten Gemüsearten regional stark unterschieden.
Die positive
Wirkung eines höheren Gemüseverzehrs war bei Rauchern stärker ausgeprägt als bei
Nichtrauchern.
Als Schlussfolgerung formulieren die Autoren: Die Ergebnisse
lassen einen positiven Zusammenhang zwischen Gemüseverzehr und Lebenserwartung
erkennen.
(Quelle: Seccareccia F. et al.: "Vegetal intake and long-term survival among middle-aged men in Italy" Ann. Epidemiol. Juli 2003)
Prof. Dr. Hans-Christoph Scharpf, Ettlingen
Gemüse 6/2004
Lycopin reicht nicht, es braucht die ganze Tomate zur Vorbeugung vor Prostatakrebs
Seit vielen Jahren und aus vielen Untersuchungen ist der Zusammenhang zwischen
einem erhöhten Verzehr von Tomaten oder Tomatenprodukten und einem verringerten
Erkrankungsrisiko an Prostatakrebs, Herzinfarkt und anderen Krankheiten
bekannt.
Fast einhellig wurde die positive Wirkung von Tomaten dem roten
Farbstoff Lycopin, einem sekundären Pflanzenstoff aus der Gruppe der
Karotinoide, zugeschrieben. Dies vor allem, weil bei Prüfung verschiedener
Inhaltsstoffe immer wieder der engste statistische Zusammenhang zwischen der
ermittelten Lycopin-Aufnahme und der Risikominderung gefunden wurde.
Nun
gingen Thomas W.-M. Boileau und Kollegen, Universität von Illinois und der
Ohio-State-University, in Tierversuchen der Frage nach, ob die gefundene Wirkung
tatsächlich und allein dem Lycopin zuzuschreiben ist. Die Tiere bekamen Lycopin
in reiner Form und zum Vergleich Tomatenplulver. Das Ergebnis besagt klar: Eine
Risikominderung geht nicht von reinem Lycopin aus, sehr wohl jedoch von
Tomatenpulver, also nur vom ganzen Produkt.
Die Autoren vermuten, dass
Tomaten zusätzlich zu Lycopin Stoffe (phytochemicals) enthalten, die die
Krebsentstehung hemmen. Das Ergebnis geht in eine ähnliche Richtung wie die drei
grossangelegten, aber missglückten Versuche, durch Verabreichung von reinem
Beta-Karotin das Risiko für Lungenkrebs zu vermindern.
"Jede Isolierung von
einzelnen, als gesundheitlich wirksam erkannten, bioaktiven Substanzen und deren
erhöhte Einnahme bringt natürliche Regulationsmechanismen durcheinander und kann
die gegenteilige Wirkung hervorrufen", schrieb Regina Naumann schon 1997 in
ihrem Buch: "Bioaktive Substanzen, die Gesundmacher in unserer Nahrung."
(Quelle: Thomas W.-M. Boileau, Zhiming Liao, Sunny Kim, Stanley Lemenshow, John W. Erdmann, Jr., Steven K. Clinton: "Prostate Carcinogenesis in N-methyl-N-nitrosourea-Testosteron-Treated Rats Fed Tomato Powder, Lycopene, or Energy-Restricted Diets". Journal of the National Cancer Institute, Nov. 2003)
Prof. Dr. Hans-Christoph Scharpf, Ettlingen
Gemüse 7/2004
Niedriges Herzinfarktrisiko bei hohem Verzehr von grünem Blattgemüse
Die so genannte
Ischemische Herzerkrankung, der Herzinfarkt, ist in Indien eine der häufigsten
Todesursachen.
In einer Fall-Kontroll-Studie, in die 350 Patienten mit akutem Herzinfarkt in
acht Krankenhäusern sowie 700 gesunde Personen mit ansonsten gleichen
Bedingungen einbezogen waren, wurde daher der Zusammenhang zwischen Ernährung
und dem Auftreten der Herzerkrankung untersucht.
Als Ergebnis stellten Tanuja Rastogi und Kollegen fest, dass das
Krankheitsrisiko mit zunehmendem Gemüseverzehr statistisch gesichert abnimmt.
Eine besonders starke Wirkung gegen Herzinfarkt haben offenbar die grünen
Blattgemüsearten.
Bei der Personengruppe, die im langjährigen Durchschnitt pro Woche 3,5
Portionen Blattgemüse verzehrte, ging das Risiko um zwei Drittel zurück
gegenüber denen, die nur 0,5 Portionen Blattgemüse pro Woche assen.
Die Untersuchung wurde vom Institut für Ernährung, Epidemiologie und
Biostatistik der Harvard-School of Public Health in Boston/USA, in
Zusammenarbeit mit dem All-India-Institute für Medizin, Neu Delhi/Nordindien,
und der Abteilung für Ernährung der Medizinhochschule, Bangalore/Südindien,
durchgeführt.
(Quelle: Tanuja Rastogi, K. Srinath Reddy, Mario Vaz, Donna Spiegelmann, D. Prabhakaran, Walter C. Willet, Meir J. Stampfer und Alberto Ascherio: "Diet and risk of ischemic heart disease in India." American Journal of Clinical Nutrition, April 2004)
Prof. Dr. Hans-Christoph Scharpf, Ettlingen
Gemüse 8/2004
Antioxidative sekundäre Pflanzenstoffe vermindern Nebenwirkungen der Chemotherapie bei Leukämie
Eine Ernährung mit hohem Gehalt an Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen
führte bei an Leukämie erkrankten Kindern zu einer Verminderung der negativen
Nebenwirkungen der Chemotherapie.
In der betreffenden Studie wurde bei 103
Kindern mit akuter Leukämie die Aufnahme von Vitamin C, Gesamtcarotinoiden,
Beta-Carotin, Vitamin A und Vitamin E erfasst. Die Beobachtungszeit über die
Auswirkungen der Chemotherapie betrug sechs Monate.
Deborah D. Kennedy und
Kollegen, die der Columbia Universität, New York, dem Kinderhospital in
Philadelphia, dem US Department of Agriculture Human Nutrition Research Center
for Aging sowie der Tufts Universität, Boston, angehören, stellten fest, dass
mit höherem Vitamin-C-Gehalt in der Ernährung die Therapie früher wirkte,
weniger toxische Nebenwirkungen zeigte und die Kinder früher aus dem Krankenhaus
entlassen werden konnten. Auch eine höhere Carotinaufnahme verminderte das
Toxizitätsrisiko bei den Patienten.
Die Forscher gehen davon aus, dass die in
pflanzlicher Nahrung (hauptsächlich in Gemüse und Obst) enthaltenen bioaktiven
Substanzen und Vitamine dem oxidativen Stress der Chemotherapie entgegenwirken.
Bei den untersuchten Kindern lag die Versorgung mit den verschiedenen als
wichtig angesehenen antioxidativ wirkenden Pflanzenstoffe nur zwischen 29 und 66
% der von der nationalen amerikanischen Gesundheits- und
Ernährungsüberwachungsbehörde empfohlenen Menge.
(Quelle: Deborah D. Kennedy et al.: "Low antioxidant vitamin intakes are associated with increases in adverse effects of chemotherapy in children with acute lymphoblastic leukemia." American Journal of Clinical Nutrition, Juni 2004
Prof. Dr. Hans-Christoph Scharpf, Ettlingen
Gemüse 9/2004
Erhöhung des Gemüseverzehrs von ein auf drei Portionen pro Tag vermindert Risiko für Eierstockkrebs um 40 %
In der so genannten Schwedischen Mammographiegruppe mit 61'084 Frauen im Alter
zwischen 38 und 76 Jahren wurde der Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Gemüse
und Obst und dem Auftreten von Eierstockkrebs untersucht. Die Studie dauerte
13,5 Jahre. Sie ergab eine statistisch gesicherte Abnahme des Krebsrisikos mit
zunehmendem Gemüseverzehr. Frauen, die drei oder mehr Portionen Gemüse pro Tag
verzehrten, hatten ein um circa 40 % reduziertes Risiko, an Eierstockkrebs zu
erkranken, im Vergleich zu der Gruppe, die nur eine Portion oder weniger pro Tag
zu sich nahm.
Die Untersuchung wurde von Susanna Larsson, L. Holmberg und
A. Wolk von der Abteilung Ernährungsepidemiologie am Nationalen Institut für
Umweltmedizin in Stockholm und dem Onkologischen Zentrum des
Universitätshospitals in Uppsala, Schweden, durchgeführt und im British Journal
of Cancer advance am 4. Mai 2004 veröffentlicht.
Prof. Dr. Hans-Christoph Scharpf, Ettlingen
Gemüse 10/2004
Antioxidative Karotine vermindern Risiko für Arterienverkalkung
Eine kalifornische Wissenschaftlergruppe stellte fest, dass Menschen mit einer
höheren Konzentration an Karotinen im Blut ein geringeres Risiko für die
Erkrankung an Arteriosklerose haben. In die Untersuchung waren 573 Personen
mittleren Alters ohne Symptome einer Herz-Kreislauferkrankung einbezogen. Bei
diesen wurde der Gehalt an antioxidativen Stoffen im Blut und Vorstufen von
Arteriosklerose gemessen und zwar über einen Zeitraum von 18 Monaten.
Die
Auswertung ergab einen gesicherten statistischen Zusammenhang zwischen den
Karotinvarianten Lutein, Zeaxanthin, b-Cryptoxanthin und a-Carotin. Auch nach
der Korrektur der Berechnungen um Alter, Geschlecht, Rauchverhalten und anderen
Risikofaktoren für Arterienverkalkung war der Zusammenhang noch statistisch
gesichert: Je höher der Gehalt an Karotinen im Blutplasma, desto geringer das
Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Als Gemüsearten mit besonders hohen
Gehalten an den genannten Karotinen werden genannt: Tomaten, Grünkohl, grüne
Kohlblätter, Spinat, Mangold, Möhren, rote Paprika und Romanasalat.
Die
Untersuchung wurde von James H. Dwyer und Kollegen durchgeführt und in
"Arteriosclerosis, Thrombosis und Vascular Biology", 2004
veröffentlicht.
Prof. Dr. Hans-Christoph Scharpf, Ettlingen
Gemüse 11/2004
Höherer Gemüse- und Obstkonsum vermindert Risikofaktoren des "metabolischen Syndroms"
Unter dem Begriff "Metabolisches Syndrom" werden Stoffwechselabweichungen
zusammengefasst, die Frühindikatoren für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes,
Nierenkrankheiten und andere sind. Hierzu gehören zum Beispiel Abweichungen von
Normalwerten bei Blutdruck, Blutfetten, Blutzucker, HDL-Cholesterin oder
Gewicht. Wenn drei dieser Werte Abweichungen zeigen, spricht man von
metabolischem Syndrom als Alarmzeichen.
In einer Zusammenarbeit zwischen
amerikanischen und südkoreanischen Wissenschaftlern wurde der Zusammenhang
zwischen Ernährung und dem Auftreten des metabolischen Syndroms untersucht.
Einbezogen in die Studie waren 1'181 junge Erwachsene im Alter zwischen 19 und
38 Jahren.
Als Ergebnis wurde festgestellt, dass die Personen, die überhaupt
keine Risikofaktoren des metabolischen Syndroms aufwiesen, mit durchschnittlich
3,3 Portionen pro Tag am meisten Obst und Gemüse verzehrten. In der Gruppe, bei
der ein oder mehrere Risikofaktoren festgestellt wurden, lag der Verzehr an
Gemüse und Obst (einschliesslich der Säfte) statistisch gesichert
niedriger.
Die Autoren bestätigen damit den vielfach gefundenen Zusammenhang
zwischen einem erhöhten Verzehr an Obst und Gemüse und einem verringerten
Krankheitsrisiko. Allerdings ist anzumerken, dass auch in dieser Untersuchung
selbst bei der gesunden Gruppe der durchschnittliche Verzehr pro Tag noch
deutlich unter der Empfehlung "5 am Tag" liegt.
Die Studienergebnisse
wurden von Sunmi Yoo und Kollegen veröffentlicht in der Oktoberausgabe 2004 des
American Journal of Clinical Nutrition.
Prof. Dr. Hans-Christoph Scharpf,
Ettlingen
Gemüse 12/2004
Hoher Gemüse- und Obstverzehr senkt das Risiko für Bluthochdruck
Personen mit einem hohen
Verzehr an Gemüse und Obst haben ein deutlich niedrigeres Risiko, an erhöhtem
Bluthochdruck zu erkranken. Dies geht aus der so genannten Seguimiento
Universidad de Navarro Studie her vor. Bei dieser Untersuchung mit 4393
Teilnehmern wurde unter anderem der Zusammenhang zwischen
Verzehr an Obst und Gemüse und dem Blutdruck ermittelt. Bluthochdruck wurde
definiert bei Werten von 140 zu 90 (mm Hg, systolisch zu diastolisch) oder
höher.
Die Gruppe mit dem höchsten Gemüseverzehr hatte gegenüber dem niedrigsten ein
um 42 % reduziertes Risiko für Bluthochdruck. Ein höherer Obstverzehr senkte
den Risikowert um 32%. Nahm man bei der Auswertung Obst und Gemüse zusammen, so
betrug das Risiko für Bluthochdruck bei der höchsten Gruppe nur noch 23% im
Vergleich zur niedrigsten Gruppe.
Die Ergebnisse wurden von A. Alonso und Kollegen vom Institut für Epidemiologie
und Volksgesundheit der Universität von Navarra, Pamplona, Spanien,
veröffentlicht.
(Fruit and vegetable consumption is inversely
associated with blood pressure in a Mediterranean polulation with a high
vegetable-fat intake: the Seguimiento Universidad de Navarra (SUN) Study. Br.J.Nutr. 92(2), 311-319, August 2004).
Prof. Dr. Hans-Christoph Scharpf, Ettlingen
Gemüse 1/2005
Noch einmal: Tomaten, Lycopin und Prostatakrebs
Schon vor längerer Zeit
wurde festgestellt, dass Männer, die viel Tomaten und Tomatenprodukte
verzehren, ein geringeres Risiko haben, an Prostatakrebs zu erkranken. Von
Anfang an wurde vermutet, dass vor allem der rote Farbstoff, das zu den
Carotinoiden gehörende Lycopin, die da für verantwortliche Substanz ist. In
Tierversuchen konnte allerdings nur mit Tomaten und nicht mit
Zusatz von isoliertem Lycopin eine prostataschützende Wirkung erzielt werden.
Nun liegt eine neue Untersuchung aus Australien und China vor, die wieder nahe
legt, dass vorrangig Lycopin für die Schutzwirkung verantwortlich ist.
In dieser Fall-Kontroll-Studie mit 130 Männern mit histologisch bestätigtem
Prostatakrebs und 274 Kontrollpersonen ohne Prostatakrebs aus dem gleichen
Umfeld wurde der Zusammenhang zwischen der Aufnahme an Carotinoiden und dem
Auftreten von Prostatakrebs untersucht. Als Ergebnis wurde festgestellt, dass
ein hoher Verzehr karotinreicher Gemüse- und Obstarten (Tomaten, Kürbis,
Spinat, Wassermelonen und Zitrusfrüchten) mit einer Risikominderung bei
Prostatakrebs verknüpft ist.
Wurde das Erkrankungsrisiko auf die einzelnen Carotinoide bezogen, so hatten
Lycopin und Beta-Carotin den stärksten Einfluss. Bei den Männern mit der
höchsten Aufnahme dieser beiden Carotinoide reduzierte sich das
Prostatakrebsrisiko um mehr als 80 % gegenüber der Gruppe mit der niedrigsten
Aufnahme.
Die weiteren geprüften Carotinoide (Alpha-Carotin, Beta-Cryptoxanthin, Lutein
und Zeaxanthin) zeigten ebenfalls ein signifikant abnehmendes Erkrankungsrisiko
bei erhöhter Aufnahme. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass carotinreiches -
insbesonders lycopinreiches Gemüse und carotinreiches Obst eine Schutzwirkung
vor Prostatakrebs haben können.
Quelle: Jian L., Du C.J. Lee A.H.and Binns C.W.:
Dodietary Iycopene and other carotenoids protect against prostate cancer? Int. J. Cancer. 28. Oktober 2004;
Prof. Dr. Hans-Christoph Scharpf, Ettlingen
Gemüse 2/2005
Auch in Kohlarten Wirkstoffe gegen Prostatakrebs
Glucobrassicin, ein
sekundärer Pflanzenstoff aus der Gruppe der Glucosinolate, hat sich im
Tierversuch als wirksam erwiesen, das Auftreten, das Wachstum und die
Metastasenbildung von Prostatakrebs zu hemmen oder zu unterdrücken.
Glucobrassicin (Indol-3-Carbinol) kommt in Kohlarten, Rettich und anderen
Gemüsearten aus der Familie der Kreuzblütler
vor. Die Substand wurde in diesem Fall per Injektion verabreicht. Die
Untersuchungen wurden von V.P. Garikapaty und Kollegen, Institut für
Mikrobiologie und Immunologie der New Yorker Medizinischen Hochschule Valhalla,
durchgeführt und im Januar 2005 in der Zeitschrift Oncol. Rep., 13(1), Seite 89-93 unter dem Titel:
"Anti-carcinogenic and anti-metastatic properties of indol-3-carbinol in
prostate cancer" veröffentlicht.
Dieses in Tierversuchen erzielte Ergebnis könnte
eine Erklärung dafür bieten, dass auch in epidemiologischen Studien an Männern
immer wieder eine krebsmindernde Wirkung von Kohlarten festgestellt wird. So
veröffentlichten vor kurzem M.A. Joseph und Kollegen die Ergebnisse einer
sogenannten Fall-Kontrollstudie mit 428 Patienten mit nachgewiesenem
Prostatakrebs und 537 gesunden Kontrollpersonen mit gleichem Umfeld. Sie wiesen
nach, dass Männer mit einem erhöhten Verzehr an "Kreuzblütlergemüse und
Brokkoli" ein um 42 % reduziertes Risiko hatten, an Prostatakrebs zu
erkranken im Vergleich zu der Gruppe mit dem niedrigsten Verzehr an diesen Gemüsearten
(niedrigstes Viertel). Die positive Wirkung des Verzehrs der Kreuzblütlergemüse
konnte in dieser Studie schon nachgewiesen werden, wenn nur zwei oder mehr
Portionen pro Monat gegessen wurden.
Veröffentlicht sind diese Daten in der Zeitschrift Nutr. Cancer; 50(2), 2004,
Seite 206-213 unter dem Titel: "Cruciferous vegetables, genetic
polymorphisms in glutathione s-transferases m1 ant t1, and prostate cancer
risk".
Prof. Dr. Hans-Christoph Scharpf, Ettlingen
Gemüse 3/2005
Gemüse und Obst verringern Brustkrebsrisiko bei älteren Frauen
Ob ein erhöhter Verzehr von
Obst und Gemüse das Risiko für Brustkrebs vermindert, ist offenbar immer noch
umstritten. In der kürzlich veröffentlichten so genannten EPIC-Studie wurde
kein Zusammenhang gefunden (siehe auch Gemüse Nr. 3/2005, Seite 8). In einer
amerikanischen Fall-Kontroll-Studie mit 1463
Patientinnen und 1500 gesunden Frauen des gleichen Umfelds und Alters wurden
die Ergebnisse getrennt nach dem Auftreten von Brustkrebs vor und nach den
Wechseljahren ausgewertet.
Dabei kam heraus, dass bei Frauen nach der Menopause ein erhöhter Verzehr an
Gemüse das Erkrankungsrisiko gegenüber der Gruppe mit dem niedrigsten Verzehr
um 37% absenkt. Die Wirkung von Blattgemüsearten war dabei offenbar besonders
hoch. Bei der Suche nach den stofflichen Ursachen war der Zusammenhang mit der
Aufnahme von Carotinoiden (alpha-Carotin, beta-Carotin, Lutein und insbesondere
Lycopin) besonders eng.
Bei Frauen vor den Wechseljahren wurde keine Beziehung zwischen dem Auftreten
von Brustkrebs und dem Verzehr von Obst und Gemüse gefunden.
Die Untersuchungen wurden gemeinschaftlich von der Abteilung für Epidemiologie
und Ernährung der Universität von North Carolina mit mehreren New Yorker
Universitätsinstituten und Privatforschungseinrichtungen durchgeführt.
Die Veröffentlichung der Autorin Mia M. Gaudet und Kollegen erschien in der
Zeitschrift "Cancer Epidemiology Biomarkers & Prevention" Vol 13,
Seite 1485 bis 1494, im September 2004 unter dem Titel: "Fruits,
Vegetables, and Micronutrients in Relation to Brest Cancer Modifies by
Menopause and Hormone Receptor Status".
Prof. Dr. Hans-Christoph Scharpf, Ettlingen
Gemüse 5/2005
